Dr. Myriam Jahn ist Geschäftsführerin von Q-loud in Köln
1. Lösung von der Stange? Fehlanzeige 2. Wichtige Rolle der Edge-Gateways 3. Der Markt für IoT-Plattformen 4. Datensicherheit durch Verschlüsselung
Industrie 4.0 und Industrial IoT (IIoT) sind vieldiskutierte Ansätze zur Digitalisierung von Unternehmen in Industrieproduktion, Automatisierungstechnik und Maschinenbau. Sie eignen sich gerade für den Mittelstand, weil – außer Know-how – wenig Ressourcen dafür benötigt werden. Ein Beispiel aus der Industrie: Ein Produzent von Stanzteilen will ein Dutzend Stanzautomaten und Hydraulikpressen überwachen und die Messdaten zentral auswerten. Ein vereinfachtes Setup besteht aus Sensoren und einer Analytics-Anwendung in der Cloud. Die Sensoren ermitteln Maschinen- und Produktionsdaten wie Temperatur oder produzierte Menge und senden sie über eine Zwischenstation, ein Edge-Gateway, via Mobilfunk in die Cloud – auf Anforderung. Es gibt keine Datensilos, keine Strichlisten des Maschinenbedieners. Wenn dann noch ein „Equipment-as-a-Service-Modell“ dazu kommt, sind die Anfangsinvestitionen nahe Null.
Lösung von der Stange? Fehlanzeige
Solche IIoT-Lösungen im sogenannten Brownfield (mit vorhandenem Maschinenpark) sind für den Mittelstand wichtig, um Produktionsprozesse zu automatisieren und effizienter zu gestalten oder neue digitale Produkte und Services zu entwickeln. Dank der niedrigen Hardware-Kosten und As-a-Service-Abrechnungsmodellen sind moderne digitale Lösungen im Industrial IoT sehr kosteneffizient – in allen Branchen.
Oft ist eine IIoT-Anwendung individuell auf die aktuelle Fragestellung in einem Unternehmen ausgerichtet. Insbesondere die Anforderungen an die Weiterbearbeitung der Daten sind unterschiedlich. So könnte ein Unternehmen bestimmte Messwerte überwachen, Störungen im Vorhinein entdecken, Wartungstechniker unterstützen oder Nutzungsdaten auswerten, um Betreibermodelle zu verwirklichen.
Trotzdem müssen die Unternehmen das Rad nicht neu erfinden, so wie ein Handy auch nicht immer neu sein muss, wenn man eine neue App braucht. Von Sensoren für alle Arten von Maschinendaten war bereits die Rede. In vielen Fällen sind sie in den Maschinen schon vorhanden, müssen aber nachträglich über eine zusätzliche Schnittstelle für die IT abgefragt werden. Der Weg über herkömmliche SPS-Systeme kann lediglich einen kleinen Teil der potenziell verfügbaren Daten für die IT-Welt ermitteln. Dabei ist es hilfreich, aber nicht notwendig, wenn die Sensoren dem weltweiten Standard IO-Link angehören. Die Sensoren können dann einfach mit einem IO-Link-Master verbunden werden. Über die Zeit – Sensoren messen typischerweise in Millisekunden – und durch die Masse der Messpunkte – 20.000 Sensoren in einer einzigen Stahlwalzanlage – entstehen immer größere Datenmassen. So produzieren Hochgeschwindigkeitskameras ein Terabyte pro Stunde. Ein Edge-Gateway kann diese Datenmassen effizient auf den Weg in die Cloud und die IT-Welt schicken.





