Marc Vauclair, Security Architekt, NXP Semiconductors, Leuven/Belgien
Attacken wie Mirai, Meltdown/Spectre, Roca oder Heartbleed haben gezeigt, wie verwundbar das IoT-Ecosystem ist, solange nicht wirksame Schutzkonzepte definiert und umgesetzt werden. Hoher finanzieller sowie der damit einhergehende Imageschaden führen dazu, dass das Vertrauen in die gesamte IoT-Industrie erschüttert wird. Insbesondere dann, wenn solche Attacken zu lebensbedrohlichen Situationen führen. Dafür gibt es leider auch schon reale Beispiele aus dem medizinischen Bereich. Um dem entgegenzutreten, müssen wirkungsvolle Sicherheitsarchitekturen entwickelt werden. Dabei ist es in vielen Bereichen gar nicht notwendig, komplett neue Konzepte zu erarbeiten, es geht vielmehr um die einfache Nutzung bereits verfügbarer Sicherheitsfunktionen.
Herausforderungen durch das IoT
Das IoT stellt uns vor eine Reihe großer Herausforderungen im Bereich Sicherheit sowie in der Geheimhaltung von persönlichen Daten. Milliarden vernetzter Geräte mit Sensoren und Aktoren arbeiten autonom, ohne oder mit nur geringfügiger Interaktion mit dem Anwender. So treffen zum Beispiel autonome Fahrzeuge Entscheidungen für den Fahrer und benötigen dazu eine Reihe von Daten, die dann miteinander vernetzt sicherheitskritische Entscheidungen zur Folge haben. Deshalb ist es notwendig sicherzustellen, dass man sich auf diese Daten verlassen kann bzw. nur Daten aus vertrauenswürdigen Quellen für die Entscheidung verwendet werden. Dies wiederum erfordert, dass über die gesamte Lebensdauer des IoT-Devices diese Vertrauenswürdigkeit sichergestellt sein muss.
Sichere, authentisierte Updates sowie Maßnahmen, die das sichere Wiederherstellen des Systems nach Angriffen ermöglichen, sind unerlässlich. Selbst Cyberterrorismus ist ein zentraler Bestandteil der IoT-Bedrohungszenarien und spätestens seit dem Bekanntwerden des Mirai-Botnets mit 100000 IoT-Geräten ist dies auch ein reales Szenario.
Was macht das IoT zum Internet des Vertrauens?
Mindestens zwei Prinzipien sind anzuwenden, um ein sicheres IoT-System zu entwickeln: “Security by Design” und “Privacy by Design”. Security by Design bedeutet, dass sich Security als Systemeigenschaft in allen Bereichen wiederspiegelt und von Beginn an im System verankert wird. Security beruht auf Geheimhaltung, Integrität sowie Authentizität der Daten und Sicherheitsfunktionen wie Laufzeitüberwachung, Secure Boot sowie sicheren Updates.
Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass es kein vollkommen sicheres System gibt. Es wird weiter Angriffe geben, mit einem guten Design können jedoch die Auswirkungen von Attacken wesentlich eingeschränkt und es kann auf Angriffe effektiv reagiert werden. Security by Design basiert auch darauf, dass man projektbegleitend mit externen Test-Laboren sowie Zertifizierungsstellen zusammenarbeitet, um die Fehlerwahrscheinlichkeit weiter zu reduzieren. Existierende Zertifizierungen, wie sie für Bezahlsysteme oder andere ID-Lösungen verfügbar sind, sind für IoT weniger geeignet, weshalb es hier gilt, neue Standards zu entwickeln. Dies ist auch der Grund, weshalb NXP gerade in diesem Bereich sehr aktiv ist.





