Clemens Koester, Application Engineer, Pfannenberg, Hamburg
1. Stabil, nicht notwendigerweise niedriger 2. Kondensat als Risikofaktor 3. Wie entsteht das Kondensat? 4. Kühlen oder heizen 5. Verschiedene Klimatisierungslösungen im Überblick
Die Kühlung von Schaltschränken stellt – auch je nach Jahreszeit und Umgebung – eine große Herausforderung dar. Gerade wenn beispielsweise die Umgebungstemperatur wie in Gießereien oder Stahlwerken deutlich höher ist. Eine zu hohe Temperatur im Schaltschrank führt im besten Fall automatisch zur kurzfristigen Abschaltung. Im schlechteren Fall droht ein permanenter Ausfall der Komponenten. Da die Anlagenverfügbarkeit in fertigenden Unternehmen oberste Priorität hat, ist der damit einhergehende temporäre Produktionsausfall kein akzeptables Szenario. Eine schnelle Lösung stellt die geöffnete Schaltschranktür dar, doch spätestens in diesem Zusammenhang wird aus dem finanziellen Problem eine Gefährdung der Mitarbeiter. Zudem ist jeglicher Beschädigung und Verschmutzung buchstäblich die Tür geöffnet. Was also tun?
Landläufig wird die These vertreten, dass die optimale Temperatur für das Innere eines Schaltschrankes bei 25 °C liegt. Orientiert man sich an dieser Maßgabe, muss im Sommer eine große Temperaturspanne überbrückt werden. In der Regel gibt es – speziell im Süden Deutschlands – zwei bis drei Monate im Sommer, während denen eine Außentemperatur bis zu 35 °C oder mehr möglich ist. Doch ist es tatsächlich nötig, einen Schaltschrank auf 25°C herunterkühlen? Bekannt ist – etwa durch die Ergebnisse der Halbleiterforschung –, dass die Lebenserwartung elektronischer Bauteile bei niedrigen Temperaturen tendenziell höher liegt. Gilt also pauschal: Je kälter, desto besser?
Stabil, nicht notwendigerweise niedriger
Die herstellerseitig empfohlenen Temperaturen sind tatsächlich von Fall zu Fall unterschiedlich: Die Auslegungstemperatur von Lüftern zur höchsten angegebenen Lebenserwartung liegt beispielsweise häufig bei 40 °C. Wieviel „besser“ die Bauteil-Lebenserwartung durch niedrigere Temperaturen von diesem Punkt aus wird, ist für den Anwender allerdings Spekulation. Im Schaltschrank kommen zudem weitere Faktoren wie das Risiko der Kondensatbildung sowie der Faktor der Energiekosten zusätzlich hinzu. Als Spezialist für Schaltschrankklimatisierung vertritt Pfannenberg in diesem Zusammenhang die These, dass das Halten einer stabilen und nicht notwendigerweise einer niedrigen Temperatur im Schaltschrank für ein optimales Kühlergebnis wichtig ist. Für einen wohltemperierten Schaltschrank empfiehlt Pfannenberg deshalb eine Zieltemperatur von etwa 35 °C. Hierdurch werden nicht nur die Bauteile geschont, sondern auch das Kondensatrisiko deutlich minimiert und die Energiekosten reduziert. Durch die höhere Innentemperatur wird der Schaltschrank zudem die meiste Zeit über automatisch durch die Umgebungsluft gekühlt, wodurch der energetische Aufwand schon sinkt. Setzt man hingegen „nur“ auf größtmögliche Kühlung, wird der Vorteil einer längeren Bauteil-Lebensdauer durch stärkere Kondensatbildung und steigende Energiekosten nivelliert.





