Dietmar R. Franke, Geschäftsführer von Resa industrial Controls, Data & Power Solutions GmbH in Eisleben
Die Experten sind sich einig, die historische Automatisierungspyramide wird sich zukünftig komplett verändern und der hierarchische Aufbau dabei zunehmend von dezentralen Strukturen verdrängt. Das wird auch erhebliche Auswirkungen auf die Konstruktion und den Bau von Schaltschränken und Steuerungen haben.
Die Kommunikation zwischen der Sensorik und der Steuerung wird heute durch eine Vielzahl verschiedener Feldbus- bzw. Ethernet-basierender Protokolle abgebildet. Bei den marktführenden Anbietern sind das Siemens mit Profinet/Profibus, Rockwell und Allen Bradley mit EthernetIP, Beckhoff mit Ethercat, B&R mit Powerlink oder Mitsubishi mit CC-Link und weitere mehr. TSN und OPC-UA stehen in den Startlöchern. Historisch gewachsen ist außerdem ein hoher Marktanteil von CAN/CANopen-Lösungen, die ebenfalls in die heutigen Lösungen integriert werden müssen.
Leider ist die Zahl der Sensoren bzw. Aktoren noch immer gering, die tatsächlich multiprotokollfähig sind. Das führt nicht selten bei gleichen Anwendungen aber unterschiedlichen Märkten zu einem erheblichen Mehraufwand durch die Verwaltung ähnlicher Sensoren mit unterschiedlichen Artikelnummern und erhöht schon bei der Planung den Aufwand erheblich. Bestes Beispiel dafür sind Maschinenbauer, die eine exakt gleiche Anlage in die USA, nach Europa oder nach Asien liefern müssen.
Daten und Sicherheit
Der moderne Schaltschrankbauer muss sich jedoch zunehmend auch mit IT-nahem Know-how wie dem Routing, der Security und dem Datenmanagement auseinandersetzen. Dazu ist eine Vielzahl von Fragen zu beantworten: Etwa wie werden die Real-Time-Daten erfasst? Wie sind die Schnittstellen zur Factory-IT zu gestalten und wie zuverlässig werden die Systeme vor Angriffen geschützt? Weiterhin ist zu klären: Wie werden die Daten kommuniziert, etwa mittels Switching oder Routing? Welche Anforderungen müssen verteilte Systeme im industriellen Umfeld erfüllen? Wie werden Fernwartungssysteme aufgebaut und kann auch die Fernbedienung/Fernwartung von Systemen sicher realisiert werden? Im Zeitalter von Industrie 4.0 kommt die Cloud-Kommunikation hinzu: Wie werden Daten über Cloudbasierende Systeme zur weiteren Verwendung sicher zur Verfügung gestellt? All dies zeigt, dass die Herausforderungen der Anlagenplaner und damit der Steuerungsbauer auch in diesem Bereich kontinuierlich wachsen.
Energieverteilung und -management
Die Energieverteilung ist eines der klassischen Geschäftsmodelle des Schaltschrankbauers. Die ausfallsichere Versorgung aller Komponenten sowie das Schalten großer Leistungen wie Motoren stellen auch weiterhin die wesentlichen Aufgaben dar. Darüber hinaus verschmelzen Daten und Leistung zunehmend. Schon heute werden Netzteile mit integrierter Datenschnittstelle angeboten, die sich wie Frequenzumrichter, Motoren und Sensoren auf einer Management-Ebene zusammenfassen lassen. Die Administration, die Programmierung, die Wartung und die Erfassung von Daten zur Optimierung der Systeme lassen sich hierdurch ohne zusätzliche Gateways realisieren.





