Siemens und die Maschinenfabrik Reinhausen haben auf der Hannover Messe 2026 eine strategische Partnerschaft zur Entwicklung von Energieversorgungslösungen für KI-Rechenzentren bekanntgegeben. Kern des Vorhabens ist ein Solid-State-Transformator (SST), der für Netzspannungen von bis zu 36 Kilovolt ausgelegt ist und speziell auf die Anforderungen moderner KI-Infrastruktur ausgerichtet wird.
Solid-State-Transformatoren unterscheiden sich grundlegend von konventionellen Leistungstransformatoren: Anstelle eines eisenkernbasierten Aufbaus nutzen sie Leistungselektronik auf Basis von Halbleitern – typischerweise Siliziumkarbid (SiC) – um Spannung und Frequenz zu transformieren. Dies erlaubt eine direkte Umwandlung von Wechselspannung in Gleichspannung in einem einzigen Schritt, vom Mittelspannungsnetz bis auf die Ebene des Server-Racks. Klassische Architekturen benötigen dafür mehrere Wandlungsstufen mit entsprechenden Verlusten.
Für KI-Rechenzentren ist diese Eigenschaft besonders relevant. KI-Trainingsworkloads erzeugen extreme und schnelle Leistungsschwankungen, auf die herkömmliche USV- und Transformatorsysteme nur träge reagieren können. Der SST soll laut Hannover-Messe-Angaben innerhalb von Millisekunden auf Laständerungen reagieren – eine Anforderung, die mit konventioneller Magnettechnik kaum zu erfüllen ist. Gleichzeitig versprechen die Entwicklungspartner einen höheren Gesamtwirkungsgrad, einen geringeren Platzbedarf sowie niedrigere Gesamtbetriebskosten gegenüber bestehenden Lösungen.
Der Kontext dieser Entwicklung ist die sich wandelnde Infrastruktur großer KI-Rechenzentren. Die Branche bewegt sich zunehmend hin zu High-Power-Density-Racks, die je nach Konfiguration mehrere hundert Kilowatt pro Einheit erfordern können. Traditionelle Niederspannungsverteilnetze innerhalb der Gebäude stoßen dabei an physikalische und wirtschaftliche Grenzen. Eine Mittelspannungsversorgung direkt bis an den Rack – ermöglicht durch den SST – reduziert Leitungsquerschnitte, Verteilungsverluste und die Anzahl der benötigten Konverterstufen erheblich.
Reinhausen bringt in die Partnerschaft langjährige Expertise in der Transformatoren- und Regelungstechnik ein, während Siemens das Systemintegrations- und Digitalisierungs-Know-how beisteuert. Beide Unternehmen sind etablierte Akteure im Bereich der Energieautomation und Mittelspannungstechnik. Konkrete Markteinführungszeitpläne oder Produktbezeichnungen wurden auf Basis der vorliegenden Quelle nicht genannt.
Aus Sicht der industriellen Automatisierung ist die Entwicklung auch für Produktionsumgebungen relevant, in denen KI-gestützte Steuerungssysteme oder Edge-Computing-Infrastruktur mit hohem und dynamischem Leistungsbedarf betrieben werden. Die SST-Technologie könnte mittelfristig auch in industriellen Microgrids oder bei der Direktversorgung von Hochleistungsantrieben an Bedeutung gewinnen – überall dort, wo eine effiziente AC/DC-Wandlung auf Mittelspannungsebene gefragt ist.





