Joachim Tatje, für TDK-Lambda Germany GmbH in Achern
Ein Hersteller von Melkstandsystemen suchte ein Gleichspannungsnetzteil mit einer Dauerleistung von ca. 250 W. Ein Weitbereichseingang sollte sicherstellen, dass das Gerät in Milchbetrieben auf der ganzen Welt eingesetzt werden kann. Eigentlich nichts Besonderes, wenn nicht die relativ hohe Schutzart IP54 zu den Randbedingungen gehört hätte. In den Stallungen kann es nämlich sehr warm werden, es staubt zeitweise sehr, die Luft enthält aggressives Ammoniak und beim Reinigen der Anlagen ist nicht auszuschließen, dass das Netzteil einen Wasserstrahl abbekommt. Der Schutz des Personals vor gefährlichen Berührungsspannungen ist ohnehin obligatorisch.
Die Entwickler fanden kein Seriengerät, das ihren Forderungen entsprach, und wandten sich an TDK Lambda. Denn es ist für Anwender, vor allem wenn sie kein eigenes Elektronik-Knowhow haben, kostengünstiger, die einbaufertige Lösung aus einer Hand zu beziehen, als selber diverse Anbieter beauftragen zu müssen. Und Sonderlösungen zu entwickeln, gehört zum Selbstverständnis von TDK Lambda. Im süddeutschen Achern betreibt der weltweit agierende Konzern den Unternehmenszweig „Power+ Solutions“. Das 15 Mitarbeitende umfassende Team beschäftigt sich mit der Erfüllung von Kundenwünschen, die mit Katalogware nicht erfüllt werden können.
Für das Projekt wählten die Ingenieure ein Gerät aus der HWS-300-Serie mit 240 W. Die seit vielen Jahren bewährten und zuverlässigen Netzteile verfügen über einen Weitbereichseingang für Wechselspannungen von 85 bis 265 V mit Blindstromkompensation gemäß EN 61000-3-2. Eine der Forderungen war damit schon abgehakt. Um die Schutzart IP54 einhalten zu können, brachten die Fachleute das Gerät samt der zusätzlichen Anschlussklemmen in einem dichten Kunststoffgehäuse unter. Der zum Netzteil gehörende Ventilator sorgt zwar innerhalb des Gehäuses für Luftzirkulation, offen war indes, ob das Kunststoffgehäuse genügend Wärmeaustausch zur Umgebung ermöglicht.
Thomas Benz, der das Projekt leitete: „Wenn Netzteile ausfallen, ist oft Temperaturstress die Ursache. Deshalb achten wir darauf, dass alle wichtigen Bauteile weit unterhalb ihrer Temperaturspezifikation betrieben werden. Das ist eine der sichersten Maßnahmen, damit unsere Lösungen langzeitstabil sind.“ Es folgten daher Tests unter den geforderten Umweltbedingungen. Weil einige Elkos dabei auf zu hohe Temperaturen kamen, entschieden die TDK-Ingenieure daher, das Netzteil mit Elkos einer höheren Temperaturklasse auszustatten, um auch unter diesen Bedingungen die geforderte Lebensdauer gewährleisten zu können. Nachdem die Sonderlösung‚ Netzteil in Kunststoffgehäuse‘ eine Reihe von Praxistests beim Kunden bestand, wurde TDK-Lambda mit der Serienproduktion beauftragt.





