Die Fragen stellte Andreas Gees, stv. Chefredakteur elektro AUTOMATION
elektro AUTOMATION: Der mit der Energiewende einhergehende Wechsel zu Smart-Grids führt dazu, dass Verbraucher gleichzeitig auch zu Energieerzeugern werden. Welche Anforderungen ergeben sich daraus hinsichtlich der Energieverteilung in produzierenden Unternehmen – sowohl Hard-als auch softwareseitig?
Steffen Breiter (Socomec): Architekturen und Prozesse in der Stromversorgung erfordern eine stabile, zunehmend aber auch effiziente Netzversorgung. Die Veränderung in den Stromerzeugungsstrukturen stellt für die Netzstabilisierung eine enorme Herausforderung dar. Die Zunahme von dezentralen Netzeinspeisungen mit wechselnden Einspeiseleistungen hat die Thematik der sicheren Stromversorgung verschärft. Zudem gehen damit steigende Energiekosten einher. Um Energieeffizienz und Energiewende mit IoT und Industrie 4.0 unter einen Hut zu bringen, sind neue Netzstrukturen erforderlich. Dafür müssen neue Konzepte entwickelt werden. Für die hardware- und softwareseitige Umsetzung müssen die produzierenden Unternehmen eigenen Konzepte der Versorgungssicherheit, Energieerzeugung und Speicherung realisieren.
Ralph Griewing (Landis+Gyr): Smart Grids sind Treiber und Konsequenz der Energiewende zugleich, weil nur sie die dezentrale Einspeisung im großen Maßstab ermöglichen und zugleich die Basis für entsprechende Anreizsysteme und Vergütungsmodelle bilden. Dadurch hat dieser Wandel eine enorme Eigendynamik entwickelt. In dessen Zentrum steht die zeitnahe Generierung und Auswertung von Informationen zu Energieerzeugung und -verbrauch, Lastgang usw. Aus solchen Informationen lassen sich Optimierungspotenziale und beispielsweise Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz ableiten. Für die Erfassung dieser Daten werden intelligente Messsysteme aus Zählern und Kommunikationsmodulen benötigt, deren schrittweise Einführung im Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende geregelt ist.
Andreas Kühn (Jean Müller): Produzierende Unternehmen werden künftig stärker am Ausgleich der volatilen Einspeisung teilnehmen. Es gibt in vielen Unternehmen Möglichkeiten Energie zu speichern und entsprechend wirtschaftlichen Aspekten auch wieder abzurufen. Das Thema Sektorenkopplung wird einen deutlich größeren Stellenwert erhalten.
elektro AUTOMATION: Wie lässt sich ein solches Prosumer-System umsetzen, welche Lösungsansätze sehen Sie?
Breiter: Ein Ansatz ist die Planung der Stromversorgung mit einem Smart Grid zur intelligenten Nutzung von regenerativen Energien zur Eigenversorgung mit der Energiespeicherung über Batteriesysteme oder kinetische Speicher. Damit sich alle Komponenten der Niederspannung einfach zusammenführen lassen, empfiehlt sich ein Gleichspannungsnetz im eigenen Niederspannungs- oder Mittelspannungs-Versorgungssystem. Ein zentraler Gleichrichter stellt die Basisversorgung über das öffentliche Netz sicher. Stehen regenerative Energien zur Verfügung, kann die Versorgung über das EVU reduziert werden, Störungen und Unterbrechungen werden über die Speicher eliminiert. So lassen sich ebenfalls Hochlastphasen, Lastspitzen oder Hochpreisphasen kompensieren. Industrielle Verbraucher wie große Lüfter und Motoren können Energie in bestimmten Prozesszuständen zurück in das eigene Netz liefern und den Energiehaushalt des Produktionsbetriebes unterstützen.





