Bernd Müller, freier Journalist im Auftrag von Lapp
1. Feuertaufe in Heraklion 2. Wellenkraft puffert Stromlücken 3. Unterstützung von Lapp 4. Konkurrenzfähig in fünf Jahren
Auf einem Segeltörn kam Philipp Sinn die zündende Idee: Wie wäre es, wenn man die enorme Energie in den Wellen zur Stromerzeugung nutzen könnte? Zuhause skizzierte er ein Konzept, das zu einer Promotion führte, die wiederum Basis für die Gründung von Sinn Power im Jahr 2014 war. Das Unternehmen ist heute in dem Einfamilienhaus im Münchener Vorort Gauting untergebracht, in dem Sinn zuvor gewohnt hatte. Dort entwickeln und montieren zehn Festangestellte sowie bis zu 15 Studenten Metallteile, Elektronikplatinen, Generatoren sowie Kabel zu Modulen zusammen, die über eine leichte Verbindungskonstruktion zu größeren schwimmenden Feldern verbunden werden. Jedes Modul trägt unten einen Schwimmkörper mit bis zu 3 m Durchmesser, der sich mit dem Wellengang hebt und senkt. Eine 10 m lange Hubstange führt die Bewegung nach oben, wo sie bis zu acht Generatoren antreibt, die aus der Bewegung Strom erzeugen.
Feuertaufe in Heraklion
Das Konzept hat seine Feuertaufe bereits bestanden. Das belegt ein Video, das letzten Winter im Hafen der griechischen Stadt Heraklion aufgenommen wurde. Es zeigt zwei Module der zweiten Entwicklungsstufe von Sinn Power, die seit Juni 2018 an der Kaimauer befestigt sind und bei einem Sturm mit 100 m hohen Brechern überspült wurden. „Alles ist heil geblieben“, versichert Johannes Stuck, im Unternehmen für die Geschäftsentwicklung zuständig. Das sei der speziellen Konstruktion zu verdanken sowie den robusten Komponenten – zu denen auch Kabel und Stecker von Lapp gehören. Dass dem so ist, ist der Reaktionsschnelligkeit von Hermann Robl zu verdanken. Der Vertriebsingenieur bekam den Hinweis, dass jemand von einem bisher unbekannten Kunden namens Sinn Power im e-Shop von Lapp nach Kabeln und Steckern gesucht habe, die sich für den Einsatz in Salzwasser eignen. „Ich bin hingefahren – und war sofort fasziniert“, sagt Robl. Seitdem unterstützt Lapp das junge Unternehmen mit den gewünschten Verbindungskomponenten und technischen Informationen.
Wellenkraft puffert Stromlücken
Ein Nachteil vieler erneuerbarer Energien ist ihre mangelnde Kontinuität der Stromerzeugung. Beispielsweise nutzt die größte Windkraftanlage nichts, wenn kein Wind weht und bei Nacht produziert auch die beste Photovoltaikanlage keinen Strom. Will man die Lücken nicht mit schmutziger Energie aus Kohle stopfen, braucht es erneuerbare Alternativen. Wellenkraft ist vielversprechend, weil sie grundlastfähig ist, also auch dann noch Energie liefert, wenn andere Erzeuger Pause machen. Für die dezentrale Stromerzeugung, etwa um eine Insel zu versorgen, wäre so ein Kombi-Konzept besonders interessant. Aber nicht nur: Sinn Power hat auch Pläne, Wellenkraftwerke in die ungenutzte Fläche zwischen den Windturbinen in großen Meereswindparks zu platzieren. Oder wie in Heraklion fest verankert an Hafenmauern. Ideale Voraussetzungen für solche Konzepte herrschen rund um den Äquator, etwa in der Karibik, deren Inseln pro Jahr 1,3 Mrd. Euro für Dieselstrom ausgeben.





