Die Fragen stellte Andreas Gees, stv. Chefredakteur elektro Automation
elektro AUTOMATION: DC-Industrie ist ein vom ZVEI initiiertes Projekt, das die Nutzung von Gleichstrom im industriellen Umfeld voranbringen soll. Gemeinsam mit Partnern engagiert sich auch Harting bei diesem Projekt. Können Sie kurz den Inhalt des Projekts beschreiben und erläutern, welche Bedeutung Sie dem Projekt beimessen?
Norbert Gemmeke (Harting): Das Projekt DC-Industrie basiert auf dem Grünbuch der Bundesregierung, das die vorrangige Umsetzung von Energiespar-Maßnahmen und damit den De-Karbonisierungs-Effekt der erneuerbaren Energien einfordert. Anfangs standen die Entwicklung, Anpassung und Erprobung von leistungselektronischen Geräten für die Versorgung ebenso wie das Schützen von DC-Netzen in Produktionszellen im Vordergrund.
Aufbauend darauf zielt DC-Industrie 2 auf die intelligente Kopplung der DC-Netze für Produktionshallen oder prozesstechnische Großanlagen. Die besonderen Herausforderungen liegen in der Entwicklung passender Komponenten und Betriebsmittel sowie in deren Zusammenspiel. Wir arbeiten mit im Projekt DC-Industrie, weil wir ein erhebliches Einspar-Potenzial an Energie und Materialeinsatz sehen und von der Trendwirkung dieser Technologie für einen sinkenden Energieverbrauch überzeugt sind.
elektro AUTOMATION: Im Bereich AC ist normales Stecken und Ziehen von Steckverbindern meist ohne Schaden für Prozesse möglich, bei Gleichstrom wird das nicht mehr so einfach sein. Was bringt die Betreiber von Industrieanlagen trotzdem dazu, nach Alternativen zu AC-Lösungen zu suchen?
Gemmeke: Der Schaden der ‚bei nicht sachgemäßem Gebrauch‘, also beim Ziehen und Stecken unter Last entsteht, ist bei AC und DC nicht zu unterschätzen. Das bezieht sich immer auf drei Aspekte: An erster Stelle steht der Personenschutz, gefolgt von dem Bauteil- und Anlagenschutz. In der Energieversorgung werden die erneuerbaren Energien immer wichtiger. Diese Energieformen sind maßgeblich DC-geprägt. Hinzu kommt das erwähnte Ziel der Energieeinsparung: Bei Einsatz regenerativer Energien entfallen die AC/DC-Konvertierungsverluste.
In Kombination mit den Maßnahmen zur Energierückgewinnung führen sie zu einer insgesamt sinkenden Energieaufnahme aus dem AC-Netz. Das Unternehmen spart Energiekosten und trägt zur Erfüllung von CO2-Emissionsvorgaben bei. Weiterhin können Stromabnahmespitzen durch Einsatz von Energiespeichern reduziert werden, womit sich wiederum Kosten einsparen lassen. In Teilen der Welt, wo Netzausfälle von über drei Sekunden häufiger vorkommen, bietet eine DC-Infrastruktur mit Energiespeichern die Möglichkeit, Ausfälle zu überbrücken.
elektro AUTOMATION: Neben der konventionellen Netzversorgung gewinnen regenerative Energien an Bedeutung. In welchen Applikationen werden die Technologie beziehungsweise wird der Energiemix zum Einsatz kommen? Wo in der Fertigung wird die DC-Nutzung relevant?





