Die Wellpappenindustrie hat einen strukturellen Schritt in Richtung digitale Integration vollzogen: Mit dem Corrugated Standard Interface, kurz COSI 1.0, liegt erstmals ein branchenweiter Standard für Datenschnittstellen in der Wellpappenproduktion vor. Initiiert wurde der Leitfaden vom Verband der Wellpappen-Industrie e. V. (VDW). Ziel ist es, einen einheitlichen Datenaustausch zwischen Maschinen, Anlagen und übergeordneten IT-Systemen innerhalb der Branche zu ermöglichen.
Die Bedeutung solcher Schnittstellenstandards für die produzierende Industrie ist erheblich: Ohne eine gemeinsame Sprache zwischen Maschinen verschiedener Hersteller und den entsprechenden MES- oder ERP-Systemen bleibt die Datentransparenz entlang der Fertigungslinie fragmentiert. Proprietäre Schnittstellen erzwingen aufwendige individuelle Integrationsarbeiten, erhöhen die Implementierungskosten und bremsen die Skalierbarkeit von Industrie-4.0-Projekten. COSI 1.0 adressiert genau diesen Engpass für eine Branche, die in Europa zu den volumenstärksten Verpackungssegmenten zählt.
Vergleichbare Standardisierungsansätze existieren in anderen Fertigungssegmenten bereits seit Jahren — etwa OPC UA in der Automatisierungstechnik allgemein oder PackML im Verpackungsmaschinenbau. COSI 1.0 folgt diesem Muster und überträgt das Prinzip auf die spezifischen Prozessschritte der Wellpappenproduktion, von der Wellpappenanlage über Konvertiermaschinen bis hin zu nachgelagerten Verarbeitungsstufen. Für Maschinenbauer, Systemintegratoren und Softwareanbieter, die in diesem Segment aktiv sind, entsteht damit eine neue verbindliche Referenzbasis für die Schnittstellenentwicklung.
Aus Marktperspektive ist der Zeitpunkt relevant: Der Druck auf Verpackungshersteller, Produktionsdaten in Echtzeit verfügbar zu machen — sei es für Qualitätssicherung, Energieeffizienzmonitoring oder vorausschauende Wartung — hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Einerseits treiben Kundenanforderungen nach Rückverfolgbarkeit und Transparenz die Nachfrage, andererseits verschärfen steigende Energie- und Rohstoffkosten den Optimierungsdruck auf die Produktionsprozesse selbst. Ein einheitlicher Datenaustauschstandard ist dabei eine notwendige, wenn auch nicht hinreichende Voraussetzung für die Umsetzung entsprechender Digitalisierungsprojekte.
Für die Automatisierungstechnik als Lieferbranche ergibt sich aus COSI 1.0 eine klare Orientierungshilfe: Steuerungs- und Antriebssystemhersteller, Sensorikanbieter sowie MES-Anbieter, die Wellpappenhersteller als Kunden bedienen, werden sich künftig an diesem Standard messen lassen müssen. Die Zertifizierungs- und Implementierungsfragen, die mit einem neuen Branchenstandard einhergehen, dürften in den kommenden Monaten das Thema in Fachkreisen weiter prägen. COSI 1.0 ist damit weniger ein Endpunkt als ein Startschuss für eine strukturierte Digitalisierung in einem bislang vergleichsweise heterogen vernetzten Produktionssegment.
Quelle: presseportal Themen: Industrie – https://www.presseportal.de/pm/71327/6383036




