Die Saarbrücker SurFunction GmbH und der Laserprozesstechnik-Spezialist Precitec haben eine strategische Partnerschaft bekanntgegeben, um die ELIPSYS-Plattform für funktionale Metaoberflächen in die industrielle Serienproduktion zu überführen. Das Kernversprechen der Technologie: Bauteileigenschaften wie Reflexion, Benetzbarkeit, Reibung oder optische Funktionalität werden allein durch strukturierte Lichtbearbeitung und geometrische Oberflächengestaltung erzeugt – ohne den Einsatz von Beschichtungen, Chemikalien oder Additivprozessen.
Aus Marktperspektive adressiert diese Kooperation einen wachsenden Engpass in der modernen Fertigungstechnik. Oberflächenfunktionalisierung ist in zahlreichen Industriesegmenten – von der Automobilzulieferung über Medizintechnik bis zur Elektronikmontage – ein kritischer Prozessschritt, der heute oft auf nasschemische Verfahren oder physikalische Beschichtungsanlagen angewiesen ist. Diese Prozesse sind ressourcenintensiv, erfordern aufwändige Abwasserbehandlung und lassen sich nur begrenzt inline in bestehende Fertigungslinien integrieren. Eine rein laserbasierte Alternative würde diese Prozesskette strukturell vereinfachen.
Precitec bringt in die Partnerschaft sein etabliertes Portfolio an Laserbearbeitungsköpfen und Prozesskontrollsystemen ein, das in der Automobilindustrie und im Maschinenbau breit verankert ist. Die Kombination aus SurFunctions ELIPSYS-Algorithmik – die definierte Mikrostrukturierungsmuster für gewünschte Oberflächenfunktionen berechnet – und Precitecs Systemintegrationskompetenz soll den Schritt von der Einzelanwendung zur reproduzierbaren Serienprozessierung ermöglichen. Reproduzierbarkeit und Prozessstabilität sind dabei die entscheidenden Hürden: Laserinduzierte Oberflächenstrukturen im Sub-Mikrometer-Bereich reagieren empfindlich auf Materialvariationen, Laserquellenparameter und Umgebungsbedingungen.
Technologisch reiht sich ELIPSYS in das Feld der laserinduzierten periodischen Oberflächenstrukturen (LIPSS) und direkter Lasertextierung (DLT) ein, die seit Jahren in der Forschung intensiv untersucht werden. Der entscheidende Schritt der Partnerschaft liegt im Transfer aus dem wissenschaftlichen Umfeld in skalierbare, wirtschaftlich betreibbare Fertigungsprozesse. Genau hier scheitern viele Photonik-Technologien: Die Lücke zwischen Labordemonstrationen und dem Nachweis von Taktzeitkompatibilität sowie Prozesskosten auf Serienniveau ist erheblich.
Für den Automatisierungsmarkt ist das Konzept aus mehreren Gründen relevant. Erstens eröffnet eine softwaregesteuerte, chemiefreie Oberflächenprogrammierung neue Möglichkeiten für die flexible Fertigung: Verschiedene Oberflächenfunktionen könnten auf demselben Bauteil oder in schneller Abfolge auf wechselnden Teilegeometrien realisiert werden – ein Vorteil gegenüber statischen Beschichtungsanlagen. Zweitens entfallen bei konsequenter Umsetzung mehrere Prozessschritte und die zugehörige Peripherie (Bechenanlagen, Trockner, Abscheider), was Hallenfläche und Energiebedarf reduziert. Drittens lässt sich ein Laserprozess grundsätzlich besser in digitale Fertigungsumgebungen und MES-Strukturen integrieren als nasschemische Linien.
Offen bleibt, für welche Materialklassen und Volumen die Plattform initial wirtschaftlich konkurrenzfähig ist. Laserbasierte Textierungsverfahren sind flächenbezogen noch vergleichsweise zeitintensiv; die Partnerschaft wird zeigen müssen, ob sich durch Mehrstrahl-Optiken oder parallele Prozessführung ausreichende Durchsatzraten für Massenfertigung erzielen lassen. Die Kooperation mit Precitec – einem Unternehmen mit direktem Marktzugang zu OEMs und Tier-1-Zulieferern – ist dabei strategisch schlüssig. Der Markt wird die Skalierbarkeit des Ansatzes in den kommenden Qualifizierungsprojekten genau beobachten.
Quelle: presseportal Themen: Industrie – https://www.presseportal.de/pm/183059/6375740





