Die Wiener WAVE Trockensysteme GmbH hat nach eigenen Angaben eine Weltpremiere erzielt: Der meistverkaufte Gefriertrockner des Unternehmens läuft erstmals unter KI-basierter Steuerung – und verbesserte beim ersten Betriebseinsatz seine eigene Software, ohne die Maschine anzuhalten. Das Unternehmen spricht von einem grundlegenden Wechsel gegenüber klassischer speicherprogrammierbarer Steuerungslogik.
Gefriertrockner – auch Lyophilisatoren genannt – sind in der Pharma-, Lebensmittel- und Chemieindustrie weit verbreitet. Sie unterliegen komplexen Prozessparametern: Druck, Temperatur und Sublimationsraten müssen präzise geregelt werden, um Produktqualität und Energieeffizienz zu gewährleisten. Klassische SPS-basierte Steuerungen arbeiten dabei mit fest hinterlegten Regelstrategien, die manuell angepasst werden müssen.
Der Ansatz von WAVE setzt stattdessen auf ein KI-System, das den Prozess in Echtzeit bewertet und Steuerparameter eigenständig anpasst. Laut Unternehmensangaben korrigierte die KI beim ersten Lauf ihren eigenen Programmcode, ohne den laufenden Trocknungsprozess zu unterbrechen. Technische Details zur verwendeten KI-Architektur – etwa ob Reinforcement Learning, modellprädiktive Regelung oder ein neuronales Netz zum Einsatz kommt – nennt WAVE in der Pressemitteilung nicht.
Für die produzierende Industrie ist der Ansatz dennoch konzeptionell relevant: Selbstoptimierende Steuerungssysteme, die ohne Produktionsstopp adaptieren, adressieren einen zentralen Schmerzpunkt in der Fertigung. Ungeplante Stillstandzeiten und manuelle Parameteranpassungen zwischen Chargen verursachen in vielen Branchen erhebliche Kosten. KI-gestützte Regelung könnte hier Abhilfe schaffen – sofern sie Anforderungen an funktionale Sicherheit und Reproduzierbarkeit erfüllt, die in regulierten Branchen wie der Pharmaindustrie besonders hoch sind.
Die Frage der Validierbarkeit stellt sich dabei unmittelbar: In GMP-regulierten Umgebungen müssen Prozessänderungen dokumentiert und freigegeben werden. Ein System, das seine eigene Software im Betrieb verändert, muss nachweisen können, dass es dabei keine unkontrollierten Zustandsänderungen erzeugt. WAVE hat sich zu diesem Aspekt bislang nicht öffentlich geäußert.
Der Schritt von WAVE steht stellvertretend für eine breitere Entwicklung: Maschinenbauer integrieren zunehmend lernfähige Systeme direkt in die Maschinensteuerung – nicht mehr nur als übergeordnete Analyse-Schicht, sondern als Kernkomponente der Regelung. Namhafte Steuerungshersteller wie Siemens, Beckhoff oder Bosch Rexroth treiben ähnliche Konzepte unter Schlagworten wie Industrial AI oder Adaptive Control voran, allerdings typischerweise mit klar definierten Sicherheitsgrenzen und Validierungskonzepten.
WAVE Trockensysteme GmbH ist nach eigenen Angaben auf Gefriertrockner für industrielle Anwendungen spezialisiert und hat seinen Sitz in Wien. Weitere Angaben zum Rollout des KI-Systems – etwa geplante Serieneinführung oder Verfügbarkeit für Bestandskunden – hat das Unternehmen nicht kommuniziert.
Quelle: presseportal Themen: Industrie – https://www.presseportal.de/pm/183806/6379308





